Beinamputation nach Routineeingriff: Hamburger Künstlerin unverschuldet in Not

18.2.2026
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Lesedauer:
3 Minuten. Von: Sabine Tesche

Die Welt, die Christine Grandt mit ihren wunderschönen Skulpturen und Miniaturen erschafft, ist eine heile. Die Künstlerin baut aus Treibholz maritime Landschaften. Manchmal schmückt ein Leuchtturm und eine Fahne das Holzstück, mal ein bunt angemaltes Häuschen, davor eine Bank und ein Fernrohr.

In der realen Welt, in der Christine Grandt lebt, ist hingegen gerade nichts mehr in Ordnung. Die 64-Jährige ist verzweifelt. Sie benötigt dringend ein behindertengerechtes Auto.

Denn der Hamburgerin wurde nach einem Routineeingriff das Bein oberhalb des Knies amputiert, ihre Nieren sind nur noch eingeschränkt funktionsfähig, ihre Muskeln nach der langen Liegezeit schwach. Sie kam im April 2025 mit neurologischen Störungen am Bein ins Krankenhaus, wo man eine Muskelbiopsie vornahm. Kurz nach dieser Untersuchung entwickelte sich eine Sepsis, die so schnell voranschritt, dass Frau Grandt für fünf Wochen ins künstliche Koma versetzt wurde.

Beinamputation: Eine Freundin von Christine Grandt meldete sich beim Abendblatt-Verein

„Als ich auf der Intensivstation aufgewacht bin, war mein rechtes Bein amputiert. Das musste sein, sonst wäre ich gestorben“, erzählt Christine Grandt. Zunächst sei sie schockiert gewesen, dann „habe ich auf Überlebensmodus umgestellt. Das Klagen nützt ja nichts, ich muss nach vorne schauen“.

Einige ihrer Freunde und ihr Bruder haben gemeinsam mit den Ärzten die Abnahme des Gliedes beschlossen. „Ich habe zum Glück einen sehr engen Freundeskreis“, sagt Grandt. So war es auch eine Freundin, die sich an ihrer statt an die Redaktion Von Mensch zu Mensch und den Verein Hamburger Abendblatt hilft gewandt hat, und um Unterstützung für die Künstlerin bat. „Mir fällt es schwer, um Hilfe zu bitten, ich war immer sehr selbstständig und möchte es auch bleiben“, sagt Grandt.

Doch Christine Grandt, die sich noch bis 27. Februar in einer Rehaklinik in Höxter befindet, hat zwei Probleme, die sie neben ihrer gesundheitlichen Situation sehr stark belasten: Ihre Altbauwohnung in Eimsbüttel, die sie sehr liebt und die auch als Atelier dient, ist im vierten Stock – ohne Aufzug. „Da komme ich mit meinem Rollstuhl und den Unterarmstützen schlecht hoch.“ Zudem ist ihr Bad nicht behindertengerecht. Es ist schmal, sie muss über die Toilette in die Dusche steigen – auch das ist unmöglich mit nur einem Bein.

Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit dem Verkauf von Objekten und Illustrationen

Die Künstlerin hat das Glück, über einen Kontakt des Abendblatt-Vereins eine behindertengerechte 50-Quadratmeter-Wohnung mit Balkon in Lurup ab April in Aussicht zu haben. Dort kann sie auch ihr Atelier wieder einrichten, auf dem Balkon Holz lagern und ihre Werkbank aufstellen. „Darüber bin ich sehr dankbar, denn ich arbeite gern und möchte und muss auch im Rentenalter weiter tätig sein.“

Bisher hat die Eimsbüttelerin ihr Geld mit dem Verkauf ihrer Kunstwerke und der Illustration von Schulbüchern verdient (www.christine-grandt.de). Aktuell deckt das Krankentagegeld gerade so ihre Miete und Nebenkosten, fast ein Jahr hat sie kein Geld verdient. „Ich gehöre eher zur Sorte arme Künstlerin“, sagt sie lächelnd. Aber sie könne sich nicht vorstellen, jemals von der Grundsicherung zu leben.

Abends auf der Promenade_Miniaturskulptur C. Grandt
„Abends auf der Promenade“ heißt die schöne Miniaturskulptur von Christine Grandt. Sie stellt ihre Objekte aus Treibholz her.© Christine Grandt

Weiterzuarbeiten ist jedoch nur möglich mit einem Auto. Sie muss auch künftig viele Arzttermine wahrnehmen: beim Neurologen, Nephrologen, Hausarzt und bei der Physiotherapie. Außerdem benötigt sie ein Transportmittel für ihre Kunstwerke. „Ich habe bis zu zwölf Ausstellungen im Jahr in ganz Norddeutschland.“ Treibholz für ihre Installationen sammelt sie im Hafen, an der Hetlinger Schanze und der Ostsee. „Das möchte ich unbedingt auch mit Prothese schaffen“, sagt sie voller Optimismus. Zum Glück habe sie aktuell noch viel Holz in ihrem Keller, auf das sie zurückgreifen kann.

Ihr altes Auto hat eine Gangschaltung – sie kann nur mit Automatik fahren

Ihr aktuelles Auto ist 18 Jahre alt und hat eine Gangschaltung. Sie braucht jedoch einen Wagen mit Automatik, dessen Gas- und Bremspedale auf links umgerüstet werden können. Zudem muss der Rollstuhl hineinpassen. „Also muss der Wagen etwas größer sein“, so Grandt. Ein geeigneter, gebrauchter Wagen mit Automatik liegt so um die 20.000 Euro hat sie recherchiert. Diese Anschaffung ist nur über Spenden möglich, der Umbau wird zum Glück von der Krankenkasse übernommen.

Grandt ist derzeit viel am Computer, um herauszufinden, welche Anträge sie nun als Mensch mit einer Behinderung stellen muss und was sie alles an Zubehör (etwa ein Pflegebett) benötigt. Sie informiert sich über die sozialen Medien, wie andere Prothesenträger zurechtkommen und welche Tricks und Tipps sie haben.

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Sie übt täglich am Barren und an Geräten, um wieder Muskeln aufzubauen. Noch kann sie nur in Begleitung mit der Prothese laufen. „Alleine bin ich schon öfters hingefallen. Denn ich spüre keinen Boden mehr, die Bodenhaftung fehlt, und das künstliche Knie knickt dann einfach ein“, sagt Christine Grandt. Sie fragt sich, wie sie im Rollstuhl künftig alltägliche Dinge wie Staubsaugen bewältigen soll, wie sie an die Küchenoberschränke kommt. „Das erste halbe Jahr wird sicher hart. Da weiß ich nicht, wie ich zurechtkommen soll.“ Einige Freunde, werden ihr helfen, da ist sie sich sicher.

Bei allem Pech lässt Christine Grandt sich dennoch nicht unterkriegen. „Ich sehe vor meinem geistigen Auge, wie ich künftig mit der Prothese gut zurechtkomme und auf meiner Lieblingsinsel Hiddensee Fahrrad fahre.“

Spenden für ein behindertengerechtes Auto: Haspa-Konto „Hamburger Abendblatt hilft e.V.“ , IBAN DE25 2005 0550 1280 1446 66, Stichwort: Christine Grandt. Sollte mehr Geld als benötigt eingehen, dürfen wir es für ähnlich schwere Fälle verwenden.